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Allgemeines über das Zittauer Gebirge

Wie sah es aber beim Nordflügel aus?
Nordwärts der Hauptverwerfung war der Sandstein zunächst gehoben, dadurch aber auch der Verwitterung besonders ausgesetzt. Im ungeglühten Zustande war er lange nicht so imstande diesen Einflüssen zu trotzen, wie wir das beim Südflügel sahen. Längst ist heute der Sandstein abgetragen, weil die Kieselsäure nicht so wirksam werden konnte wie beim geglühten Sandstein. Das Bindemittel waren vorzugsweise Kalk und Ton mit etwas Eisen, daher viel weicher. Zudem fehlte aber die schützende Basalt- und Phonolithdecke. So verwitterte der Sandstein bis auf das Fundament, das nun dort offen liegt, während im Zittauer Gebirge dasselbe noch vom Sandstein überdeckt ist.
Knapp und treffend orientiert der Text der Tafel in der Schutzhütte am Karolafelsen den Wanderer über die Eigenart des Zittauer Gebirges: Das Zittauer Gebirge erhebt sich als steile Mauer über die Granitfläche des Zittauer Beckens mit ihrer Braunkohlenausfüllung. Der Grund des schroffen Wechsels ist eine Schollenverschiebung längs der Bruchzone. Die erste Schollenverschiebung erfolgte in der älteren Braunkohlenzeit. Der Granit hob sich 280-400 Meter über die Sandsteinzone. (Lausitzer Hauptverwerfung). Dann erfolgte Einebnung der Sandsteinstufe. Zahlreiche Vulkaneruptionen fanden statt.
Nach diesen trat eine Senkung des Zittauer Gebirges ein und zwar etwa an der gleichen Bruchlinie wie beim ersten Male.

Diese Vulkaneruptionen bilden

  1. Schwarzen Basalt,
  2. Grauschwarzen Klingstein (Phonolith) und zwar entstanden
  1. Kuppen,
  2. Decken,
  3. Mauerförmige Spaltenausfüllung,
  4. Stilartige Ausfüllungen von zylindrischen Kanälen.

Als der Basaltschmelzfluß sich abkühlte und verfestigte, schrumpfte seine Masse und wurde durch Schrumpfungsrisse in Säulen (rechtwinklig zur Abkühlfläche) zerlegt (Teufelsmauer am Johannisstein u. a.). Klingstein  zerlegte sich mehr zwiebelschalig (Lausche, Hochwald). Durch die Hitze der Lava ist der benachbarte Sandstein geglüht (gefrittet). Dabei ist er durch Kieselsäureausscheidungen sehr hart und porös geworden (Mühlstein). Als der heiße Sandstein sich wieder abkühlte, zersprang er oft in Säulen, die auf den Lavastrom zu gerichtet sind (Humboldtfelsen, Orgel). Bei der Orgel sind die Sandsteinsäulen der Beweis, daß früher ein Lavastrom darüber gelegen hat. Er ist aber vollständig verwittert. Ein noch vorhandener Basaltstil ist der Humboldtfelsen im "Schwarzen Loch", eine Basaltkuppe der Kellerberg."

4. Eigenschaften des Sandsteines.
Der Sandstein des Zittauer Gebirges ist sehr brauchbar. Besonders zeichnet sich der bei Jonsdorf vorkommende Sandstein durch seine Qualität aus. Erklären muß man sich das damit, daß dieser Sandstein in der Nähe der Glutspalten lagert. Ferner wurden hier wirksam die Einflüsse sehr vieler steckengebliebener Kratergänge, der "Stielbasalte". Außerdem machte sich der Einfluß der Basalt- und Phonolithdecke besonders bemerkbar. Durch das Ausglühen des glühendflüssigen Nachbargesteins ist dieser Sandstein sehr porös. Er läßt das Wasser leicht durch, ja durch dünne Stücke kann man sogar hindurchblasen. Das macht diesen Sandstein geeignet zur Verwendung als Mühlstein, der scharfe Kanten und Schnittflächen haben muß. Durch fast 400 Jahre blühte in Jonsdorf die Mühlsteinherstellung. Leider ist heute diese Tätigkeit ganz zum Erliegen gekommen. Von 1578 bis 1917 fanden zeitweilig bis 100 Leute gute Verdienstmöglichkeiten. Es gab Jahre, wo bis zu 1000 Mühlsteine verschickt wurden in alle Welt. Genaue Untersuchungen ergaben folgenden Befund: reichlich 97 von Hundert Kieselerde, 0,4 von Hundert Eisenoxyd, der Rest Tonerde und ganz wenig Kalkerde.

Das Gebiet der Mühlsteinbrüche ist zum Naturschutzgebiet erklärt. Damit wurde dem Freund der deutschen Landschaft ein Dienst  erwiesen, daß nicht abgebaut werden darf und alles in seinem jetzigen Zustand bleiben muß. Man kennt etwa 20 Stellen, wo sich Basaltstiele und Phonolithgänge befinden.  Einzigartig in aller Welt ist die Ablagerung des Sandsteins in Basaltsäulenform an verschiedenen Stellen. Dem Beschauer zeigt sich zum Beispiel bei der Orgel eine Felsspalte mit daraufsitzenden Sandsteinsäulen wie beim Werke einer Orgel. Eine Tafel vom Heimatschutz gibt dem Besucher eine Genaue Erklärung. Am Fuße des Orgelfelsens ist ein Felsen verwittert, der wie eine Sphinx dreinschaut. Auf der anderen Seite erblickt man die schiefstehende "Kaffeekanne" oder "Hennigsäule", die jeden Augenblick herabzufallen droht. Nordöstlich steht lauernd auf hoher Warte der "Löwe". Zu erwähnen sind ferner: Dreitische, Jagdhund, Nashorn, das Felstor in der Nähe der "Brummerquelle".
reich an interessanten Felsformen ist auch das Oybiner Tal. Der Wind schliff den so täuschend geformten "Kelchstein", wie er auch den "Muschelsaal" im Vereine mit dem Wasser  schuf. Am Johannisstein gab man einer Basaltlippe den Namen "Teufelsmauer".
Ebenso sehenswert sind die Merkwürdigen Felsbilder auf dem Töpfer, der "Wackelstein", die "brütende Henne", der "Auerhahn", das "Opferbecken", die "Schildkröte", die Gratzerhöhle.
Ein weit verbreiteter Irrtum sei hier richtiggestellt. Vielfach wird behauptet, daß Alexander vom Humboldt im Jahre 1851 im Zittauer Gebirge geweilt habe, und es wird besonders Jonsdorf genannt. Nach neueren Forschungen läßt sich das aber nicht aufrechterhalten, wohl aber trifft es zu, daß Humboldt aus der Merkwürdigkeit des geglühten Sandsteins aus Basaltgänge hinwies, die sich richtig auch dort fanden, als man den Sandstein abbaute.
Wer all die Wunder im Zittauer Gebirge bestaunt hat, dem werden sie noch lange im Gedächtnis haften. Er wird sich gern dieser Eindrücke erinnern und wird aber auch nicht verlegen sein, wenn er jemanden zu einer Reise oder zu genußreicher Wanderung raten soll.


Quelle:
Führer durch das Zittauer Gebirge
Allgemeines über das Zittauer Gebirge
Verlag Werner Klotz - Zittau
Druck von Hermann Engelhardt, Großschönau i. Sachsen
Seite 19 bis 21

 

Zittauer Gebirge

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